Deus Ex Teacup

Paperplanes are a way of communication, too.

tick tock nights

nocturnal clockwork head_scan

 

Ich habe mir selbst so ein bisschen versprochen, hier erst wieder zu schreiben, wenn diese Befindlichkeitsfixiertheit (um mal wieder mit Kettcar zu sprechen) etwas nachgelassen hat. Sie schwankt, aber in letzter Zeit geht’s. Ich merke langsam (und my, bin ich langsam ..), woher manche Affekte kommen und manchmal sogar, wohin sie gehen. Und dass meine Entwicklung teilweise noch oder jetzt wieder im Welpenstadium steckt. Dass ich wieder schlecht alleine sein kann, und bäh, hier habe ich Rückschläge erlitten und beiße mich da selbst. Es geht dabei nicht um eine Abhängigkeit von irgendeiner Person, sondern um die Unzulänglichkeit, mit dem eigenen Kopf und Schicksal klarzukommen. Wenn es ganz ruhig ist, höre ich ganz leise das Ende sich räuspern. Hallo sagt es nicht, es sagt sonst und generell nicht viel, aber es möchte mal festgehalten haben, dass es da ist. Und mir im Nacken sitzt und das Räuspern so nahe am Ohr fürchterlich laut und unglaublich nah ist. Dass ich Dinge in den Gedankengang aufnehme wie Torschlusspanik und Sätze wie Was tust du mit deinem Leben und quo vadis, du verwirrter Kreisel. Mit einer irren Geschwindigkeit um mich selbst herum. Ich möchte keine Brücken sprengen, sondern Zelte abreißen. Ich möchte weg. Ich möchte Sprünge machen, nicht nur nach Asien, sondern auch in meiner eigenen Entwicklung. Und Wollen ist halt so oft das Gegenteil von Sein.

Dabei soll es doch ein Anfang sein. Das darf es. Einsicht ist der erste Schritt zur.. auf, nein, auf einem Weg, und Wege führen zwar manchmal im Kreis, aber in meinem Kopf führt er geradeaus. Dabei habe ich lange schon den Gedanken abgelegt, das Leben als eine Chronologie mit A wie Anfang und Omega wie Ende zu sehen und dazwischen diesen Strich unter meinen Füßen zu spüren, wie ein Seil ganz hoch oben. Ein Leben ist eher ein fallengelassenes Ei, so kurz und so wirr und irgendwie immer mit einem Bisschen von Einsamkeit und Verbindung.

Dabei waren die Tage so voll von Dingen, die mir gefallen und die mich wieder aufleben haben lassen, und das könnten sie nun wieder mehr und mehr werden. Ich arbeite daran. Letztens war ich bei dieser Lesung in der Zollergasse und habe wieder Hoffnung für bibliophile Veranstaltungen schöpfen können. Habe wieder gezeichnet, bis es zu dunkel wurde, die Stimmen und Menschen waren so schön. Und nun besteht das Angebot, wenn ich es richtig verstehe, meinen Kram auszustellen. Wie, weiß ich noch nicht. Meine erste Reaktion war, Mr. Poro anzulachen und zu sagen: Wie? Das sind Kritzeleien auf A5. Zu klein für eine Ausstellung. Wertlos, hätte ich fast hinzugefügt und mich im Kopf zuvor gerügt. Ganz nach Groucho Marx: “Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt.” Des Chemikers Bemerkung und mangelnde Begeisterung, mit dem Grund, das wirke alles shady, hat die Euphorie zudem ziemlich vernichtet. Warum bin ich nochmal so ein Weichei? Geez.

Dank dem Kayokid kam die Begeisterung doch ein wenig zurück. Ein Konzept überlegen, Ideen gibt es bereits, und dann mal vorschlagen. Und wenn nicht, es ist egal, weniger als Null geht nicht. Wenn es in diesem Bereich so viele Selbstläufer und Angebote gibt, wieso ablehnen? Wieso nicht wieder mehr von dem, was gut tut und was funktioniert und schön ist? Ich stehe meilenweit hinter dem zurück, was ich als irgendeine Art von Kunst akzeptieren würde; aber von mir aus dokumentiere ich gerne meinen Weg dahin. Wie Tamo, als er schnurstracks und frontal ins Meer ging, Salzwasser schlürfend, ohne einen Gedanken an irgendetwas zu verschwenden (ein Bild für die Götter). Hunde eben. Jetzt trägt er immer ein Stück Ostsee mit sich, irgendwo in seinen Magenzellwänden oder so.

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Addendum

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The Perseids were at the peak of their meteorite shower performance when we drove to the observation tower in the middle of the forest on Friday. It was almost midnight when we arrived. The wind was so heavy I could barely stand, tears in my eyes, mouth empty of words that were eaten by the flurries as soon as they were formed. The first shooting star he ever saw in his life was one of the most beautiful things I’ve ever seen.

the incredible weariness of being. || Or: the big mimimi.

fuckyoushadow

 

Es gibt nicht wirklich Worte für gewisse Momente. Ich weiß, dass, wenn Menschen gewisse Dinge sagen, wir beide, das Gegenüber und ich, im Hinterkopf haben, dass es unzureichend ist, dass die Grenzen von Sprache zu eng gesteckt sind in unseren Köpfen, und dass der Wortschatz gar nicht blumig oder eloquent genug sein kann, als dass er Situationen gerecht werden könnte. Vielleicht hatte Wittgenstein doch nicht recht, vielleicht verstehe ich ihn auch einfach nicht, vielleicht fehlt mir noch die richtige Tractatus-Lektüre, aber solange denke ich noch, dass die Dimension Mensch viel weiter reicht als eine Entschuldigung, als eine Mitleidsbekundung, als ein Dankeschön, als ein Ich liebe dich, oder sogar ganz woanders hingeht. Wissen wir eigentlich noch, was wir sagen? Wie tief und wie breit ist der Abgrund zwischen Wort und Ding und Sein? Ich habe schon lange keine richtigen Worte mehr gehört, nur die wahren Absichten dahinter bemerkt, und allmählich nehmen sie einen Stellenwert ein, der zwar nicht mit dem Glanz von Sprache konkurriert, der aber abseits von ihr steht und diesen Momenten damit ihre eigene Schönheit zugesteht.

Gerade macht nichts Spaß, nichts begeistert und ich fühle mich zurückerinnert ans Anfang-20-Ich, nur dass ich das Monster diesmal bereits kenne und mir nicht mehr viel dabei denke. Ich ärgere mich nur. Putze die Wohnung, gehe ins Gym, versuche zu zeichnen und bei guten Schüben mal was zu schreiben. Nicht sowas hier, was Richtiges. Ich bin gerade nicht einmal mehr abseits von mir, sondern viel weiter weg und habe keinen Sinn mehr für ein Ich. Es ist gerade zerstreut in tausende Teile, jedes davon steckt ganz woanders, in Projekten, in Zeichnungen, in Schriftstücken und in den Augen oder Ohren von Menschen um mich herum. Ich habe aufgehört, das Kind beim Namen zu nennen, es ist erwachsen geworden und steht mir gegenüber, auf Augenhöhe sieht es mich an und lacht nicht mal mehr hämisch. Das alte Spiel. Auch ihm ist’s langweilig geworden. Was tun?

Ich habe Tee getrunken, geduscht, was gegessen, Sport gemacht und darüber geschlafen. Top Five Tools der Monsterbekämpfung funktionieren nicht, also ist es ein wahres Problem. Hallo, du. Ich habe endlich eine Facebook-Seite für die Zeichnungen erstellt, während ich die letzte Woche mit Führerscheinprüfung und Referat hinter mich gebracht habe, vielleicht motiviert das. Vielleicht ist es auch einfach die Nüchternheit auf ein wenig Ruhe, die ich nun habe und genießen sollte und die Leere, die einsetzt und komisch wirkt, weil zuvor so viel war. Ich sollte ein wenig runterkommen von dem Adrenalintrip und den schnelllebigen Wochen und nicht mehr das erwachsene Kind als diese andere ominöse Figur betrachten, die ich mir immer vorstelle, wenn ich an Leth, meine liebe Lethargie denke, sondern als mich, denn was ist abseits davon noch?

Es gibt dazwischen schöne Momente, zum Beispiel, wenn der Chemiker mir rät, heute nicht mehr aufs Handy zu schauen, wir uns aufs Sofa setzen und bis in die Nacht Persona 5 spielen, wenn wir endlich wieder Zeit miteinander verbringen und irgendwann nebeneinander einschlafen, aus der Ruhe des Augenblicks heraus. Ich möchte mich ihm nicht in diesem Stadium antun, es führt nur leider nicht viel daran vorbei. Ich reiße mich zusammen und er weiß zwar nicht so recht, was los ist, aber er spürt mittlerweile sehr genau, dass es etwas ist und dass er nicht viel mehr sagen kann, außer zu fragen und mich ab und an zu umarmen. Mehr möchte ich da im Grunde gar nicht, der Rest ist mein Schierlingskram und nicht seiner. Ich möchte mich auch nicht erklären, weil ich weiß, dass ich es nicht kann, das ging noch bei niemandem gut, außer vielleicht beim kayokid. Es ist kein schlimmes Gefühl, es ist nichts Bedauernswertes, sondern eine Weile, in der man nicht existieren möchte, weil man dann da sein muss und handeln muss, und selbst, wenn man in die Luft starrt, ist es eine Handlung, und da reicht die Energie gerade nicht. Ich denke manchmal immer noch an dieses blaue Nichts, das ich mir immer vorstelle, ein Equilibrium, in dem man sich ausruhen kann, in dem eine Regeneration möglich ist, und die Energie, die durchfließt, auf keine Sinne trifft, sondern nur auf einen reinen Kern. Und dann geht es wieder und man kann weitermachen mit dem Lebendigsein, dem Atmen und dem Leben ansich. Ich werde vermutlich mal Meditation ausprobieren, um besser abschalten zu können, um ein neues Ventil zu haben, wenn die Welt gerade wieder zu viel wird und es keine Brunnen gibt, in die man hinabklettern könnte. Ich war noch nie allzu gedankenlos.
Ich kann mich gerade nicht an diesem sinnlosen kleinen dead letter office erfreuen,  weil ich zugleich den letzten Briefen gedenke und innerlich dem kleinen fool me twice und dem etwas größeren Well, fuck you too. An manchen Tagen schmunzle ich darüber, an anderen fluche ich innerlich auf und kann nicht anders als mich zu ärgern, was das Ganze soll. Ich habe mich dabei erwischt, zu den Gleisen zu schauen, wo Ben stehen würde, und habe mich daraufhin innerlich verlacht für meine Dummheit. Nicht so, mein Herz, nicht so. That’s another train station you landed up being. Der Abgrund zwischen Wort und Ding und so.

Gaunerzinken im Eigengrau

wolkenfresserin

Es ist diese Zeit im Jahr, in der man Vögel sieht, wie sie Zweige und Äste in Mauerlöcher und hochgelegene Balustradenritzen tragen [Hast du gewusst, dass das Wort “Balustrade” vom griechischen βαλαύστιον / balaustion abgeleitet wurde und Granatapfelblüte bedeutet?]. Es ist diese Zeit im Jahr, in der man von Todesfällen bei grellem Sonnenschein erfährt. Es ist diese Zeit im Jahr, in der die Hitze einem zu Kopf steigt und den Stress nicht kleiner werden lässt, in der man im Grunde nur mehr Urlaub haben möchte, wobei Urlaub ein Euphemismus für abhauen ist.

Ich lese vom Kampf mit dem Alter und dem Sterben der Generationen, während meine eigene Großmutter irgendwo in einem kleinen Dorf in Russland beinahe unbemerkt stirbt, weil sich Menschen nicht um sie kümmern. Nicht die Ärzte, die sie seit Jahren wohl nicht mehr gesehen hat, nicht die eigene Tochter, meine Tante, die wieder dem Alkohol verfällt, nicht der Schwiegersohn, der nichts besseres zu tun hat als in Gewaltakte zu verfallen. Die Kinder sind die einzigen Ansprechpersonen, und meine Mutter telefoniert mit einer von den Geschwistern und bittet sie, zur Oma zu gehen, zu schauen, ob sie Wasser hat, was zu essen hat, sie solle sie doch bitte füttern und ihr was zu trinken bringen und ihr kurz den Hörer geben. Meine Mutter hat erzählt, wie schwach sie klang, aber sie habe sie noch erkannt. Sie solle auf sie warten, sie komme im Juli, und sie solle durchhalten bis dahin. Sie hatte sich bedankt und ist tags darauf in den Morgenstunden gestorben. Die Beerdigung dürfte mittlerweile vorbei sein, meine Mutter ist gestern noch nach Ufa geflogen, meine Schwester und ich konnten nicht mit, weil es so kurzfristig zu dritt kompliziert geworden wäre. Die sonst so unfreundlichen Leute bei der russischen Botschaft gaben ihr dabei sofort ein Visum, sprachen ihr Beileid aus und wollten keine Bezahlung dafür entgegennehmen.
Ich kannte meine Großmutter kaum, vor drei Jahren habe ich sie zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wiedergesehen, was sie sehr gefreut hat. Ein Zugang hat mir damals dennoch gefehlt, als ich in Ufa und Birsk bei der Verwandtschaft wohnte. Das Russische als Sprache funktioniert für mich einigermaßen, die Überforderung von Verwandtschaft, Emotion und Sprachaustausch auf sechs Tage verteilt war allerdings zu viel. Und dennoch. Sie hatte mich noch einmal gesehen, ihr zuvor am Telefon geäußerter Wunsch: “Bitte komm mich besuchen, bevor ich sterbe” – das habe ich erfüllt und für sie war es bestimmt auch eine Art Erfüllung, so hoffe ich. Ich für meinen Teil weiß noch nicht ganz, was ich mit diesem angesplitterten Element von mir anzufangen habe; mit allem, was unter der Haut auf Kyrillisch verfasst wurde, als sich noch komplett neue Synapsen in meinem Kopf zusammenbasteln mussten. Kaum möchte ich Gefühle dafür entwickeln oder auch nur mit einer Emotion behaftet einen Gedanken dazu fassen, leuchtet eine große Reklame vor meinen Augen auf, симулянтка, Heuchlerin, und ich muss wieder zurück an den Start. So geht das ewig dahin, seit einigen Jahren schon. Und graben wir jetzt nicht wieder die Vaterthematik heraus, das ist da ganz ähnlich.
Es ist also keine Trauer, die ich empfinde, zumindest nicht für meine Oma, die ich kaum kannte, sondern für meine Mutter, in dem Wissen, dass es ein natürlicher Prozess ist, dieser Generationenwechsel, oder das Dahinscheiden der Generation wohl eher. Mitleid, ich denke, das ist es, sowohl für meine Mutter, die sich Schuldgefühle einredet und ihre Schwester verflucht, wie auch für meine Oma, die unter furchtbaren Bedingungen ihre letzten Jahre in Birsk verbracht hatte. Mitleid für die Kinder, die ich ein wenig ins Herz geschlossen habe, und die unter alkoholkranken, gewalttätigen, unreifen Eltern leiden müssen. Die Welt ist manchmal ein mieser Ort.

Abseits davon habe ich meine juristisch vorgeschriebenen Fahrstunden in dieser Brutstätte des Chauvinismus endlich ausgesessen, die mich einige, nein, viele Nerven gekostet haben. Am Montag ist die theoretische Prüfung, am Dienstag ein Referat, das wieder dasselbe Problem enthält: spannendes Thema [Das Paradoxe an Zen-Kôans], zu wenig Zeit. Die Redaktionssitzung habe ich abgesagt, da ich den Dienstag bei meiner Mutter verbracht habe und nun das Referat dringend fertig werden muss und meine Nerven wieder einmal ziemlich blank liegen; langsam lerne ich mit dem Zustand zu leben, was irgendwie auch traurig ist. Ich mochte den Eskapismus mehr, der hatte irgendwie noch Hoffnung auf Besserung des Zustandes enthalten. Aber es geht schon, es könnte um ein Wesentliches schlimmer laufen, denke ich mir, und genieße die Minuten, in denen ich ausgeraucht Zeit habe, die Decke anzustarren oder mit dem Monster zu kuscheln. Die Welt ist okay, nur eine ganze Weile lang suboptimiert. Das nervt. Mehr ist es nicht.

Als ich das Wort Eigengrau lese, muss ich fast laut auflachen und blicke auf meine Handynotizen von vor einigen Tagen. Ich mag das Wort. Auch Gaunerzinken. In dieser Kombination stelle ich mir Murakamis Brunnen vor, in den Mr.-Wind-up-Bird klettert und die Augen schließt und ständig die komplette Dunkelheit sucht, aber nie so wirklich findet. Sieht man darin Gaunerzinken? War schon mal jemand hier und hat versucht, sich Zugang zu verschaffen in diese schöne private Schwärze innerhalb der Augenlider? Und was hat er dann mit der Spitze seines Dietrichs wohl markiert?

Das bar stool medley wird scheinbar doch abgedruckt, dabei finde ich es stellenweise nicht mehr so besonders. Aber die Nachricht, die Intention bleibt, die Brotkrumen sind verstreut und eigentlich ist es mir dabei fast egal, ob sich jemand im Wald verirrt oder da überhaupt heil wieder rauskommt. Ich bin da nicht nett, ich tue nur, was ich möchte.

Letzten Dienstag, während ich unten in diesem charmanten, minder beleuchteten Cafébar-Ding saß und auf Lissá wartete und mir Wein bestellte, kam auch sie an die Bar, bestellte sich irgendwas und murmelte wirres Zeug, nachdem ich über die Situation lachen musste. Ach, medleys.

Mehr später. Jetzt erstmal Kaffee und Donuts und Unizeug und bluärgh. Gnah my life.

Replies.

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Serious case of headache. Serious case of stomachache. Serious case of tired. And serious case of some more mimimi-matters. Spent the last couple of days preparing tea like a madman (eh, mad hatter?), using an old brass scale with a sixpence taped onto it. Classic. If you get to know a tea master and even get the chance to make a book with him, make sure that you keep him. He, ocha-sensei (I need to find a non-Japanese name for him), visited Vienna for three days with his charming wife, coming all the way from the North of Hamburg, and I think I have a youngster-bonus here; with all the people around his age he’s always wearing that grave expression and seems like a typical Northerner – quiet, stern, and most of the time not amused by anything. With me though he jokes around, not too loud and quite discreet, but with that twee smirk on his face, grinning. As we spend our last day brewing tea and taking pictures of it at Port Venus in the west of Vienna, he gives me two of his finest selections as a thanks and I am deeply honoured how he seems confident that I can value the taste of this little piece of liquid gold.

Und obwohl das Magazin doch so ein eher kleines ist, saß ich irgendwie auf Nadeln; gut riechenden Tannennadeln zwar, aber auch die machen den Arsch nervös. Dann kam die Nachricht der Herzkönigin (how else to name her? it fits rather perfectly ..), und ich habe ein wenig gebraucht, die kyrillischen Lettern auf dem kleinen Bildschirm entziffern zu können. Sie ist begeistert und das streichelt natürlich die Seele (- sehr); hat gefragt, ob ich darüber hinaus nicht noch “vier kleine Seitlein” illustrieren könnte. Die seien zwar auch auf Russisch, aber ich würde sie sicherlich verstehen und umsetzen können, und ich habe gerade eingewilligt – mit der Bedingung, dass dies erst nach dem morgigen Tag gestartet wird, da die furchtbaren papers vorher erst erledigt werden müssen. Am Mittwoch nach der Triple-Lesung saß ich noch mit dem rothaarigen Geistchen und ihrem Mann, sowie der Lektorin in der Vinogin-Bar und durfte mir anhören, ich solle mich nicht unterm Wert verkaufen – dass das nach was aussieht und so. Es sind viel zu charmante Bezeichnungen gefallen und Ermunterungen, und es ist nach wie vor tragisch, wie sehr das Ego sich an solchen Dingen aufhängt. Im Grunde mag ich das nicht, und die ganze Auflehnung gegen Lobeshudelei und dieses “ich mach das nur so” – es gibt vieles in mir, das es genauso meint. Damals in der Theaterbar habe ich Sempai mit einem wohl etwas zu apokalyptischen Grinsen gesagt, dass ich ihn bestimmt nicht zu ernst nehme – ich nehme nämlich im Grunde nicht wirklich irgendetwas so besonders ernst. Erst, als der etwas erstaunte Blick und die ein oder andere Nachfrage folgte, reflektierte ich zum ersten Mal seit langen Jahren über dieses so salopp dahergeworfene Motto, das da besagt: Im Grunde ist dir dein Leben wertlos. 

Das stimmt so nicht. Das beweisen mir die Träume über endgültige Enden und die Panik davor, und die Tränen, die manchmal kommen, auch wenn ich mich gar nicht nach Weinen fühle und das Ganze dann etwas ex corpore betrachte. Irgendetwas schlägt und tickt da langsam, sehr unregelmäßig und nicht besonders zuverlässig, manchmal viel zu laut und häufig kaum wahrnehmbar. Allerdings, es gibt Aspekte, die ich an der mittlerweile aussetzenden Lethargie vermisse, oder es mir zumindest einbilde. Das wäre die Ruhe, dachte ich. Gleichgültigkeit ist ein ruhiger Zustand, aber ein Mensch ist nie ein Zustand – er ist eine Verfassung, bestehend aus unendlich vielen Komponenten mit Zähnen dran. Und wäre es Lethargie allein, das wäre ein Equilibrium, ein stiller See, ein Tümpel vielleicht, so mit Molchen drin. Aber meist war das nicht so. Nichts daran war ruhig, alles eher weltschlecht und langweilig. Das ist nun weiter weg, viel weiter, und irgendetwas ist an mir konkret und gegenwärtiger geworden als damals noch. Und ich glaube, dieser Teil ist es, der sagen möchte: Schau mal, da. Das habe ich gemacht. Denn ich bin ein Mensch, mit zwei Armen und Händen dran, die einen Stift halten und damit etwas produzieren können. Ich kann Dinge erschaffen, die aus meinem Inneren kommen und für dich sichtbar werden. Das kleistert ein wenig Substanz an die Wurzeln.

Und jetzt ist es spät geworden und der Beitrag kurz, was ganz egal ist.

bar stool medley

drunkenmermaid

[Today = Day of tangible Trivia! Be ready to not be entertained.]

Talking about deadlines. A lot lately. Die Welt scheint sich da an ein, zwei Dinge erinnert zu haben und hat die Kreide fester in die Pfote gepresst. So furchtbar hässliche Striche sind das und darunter kauere ich und sehe bisschen ehrfürchtig, bisschen sehr ängstlich, aber besonders angepisst hoch. Immerhin habe ich den Rest der Woche frei bekommen, um mehr an den anderen Dingen arbeiten zu können (yay me) und ich hoffe schwer, dass diese Umstände keine Dauergäste sind. Oder sagen wir es anders: Ich hoffe, dass diese Dauergäste sich endlich mal bequemen und den Wink mit dem Baseballschläger verstehen, nämlich, dass sie herzlich unwillkommen sind. Ich möchte weg. Checke Spontanflüge nach Bhutan. Könnte ein Hinweis auf Ruhebedürftigkeit sein. Hrm.

Aber insgesamt ist das eigentlich dummes Gejammere; das Arbeiten an den papers geht mir endlich wieder besser von der Hand; eher gesagt, ich schreibe überhaupt endlich wieder etwas. Die Schockstarre vor lauter Stress und what-not scheint sich aufzulösen und einem stoischen Dauerzustand zu weichen, der leise seufzend ein okay murmelt und sich sonst stillschweigend an die Arbeit macht.
Ich habe sogar wieder etwas geschrieben. Nicht nur die ersten Kapitel der fast schon belustigenden Seminararbeit über den Kontext von Kant und I am Legend (ja, genau, der mit Will Smith), sondern auch ein bar stool medley, prosetry stuff zur neuen Ausgabe des Magazins. Ob es überhaupt genommen wird, ebenso wie die ganzen Illustrationen, ist noch undiskutiert. Ich finde es seltsam zu sagen, aber … hrm – ich mag die Sachen ganz gern. Ich finde die Dinge, die ich tue, derzeit recht okay. Die betrunkene Meerjungfrau für Yesenin, die hier oben thront, die Frau mit den Blumen für Balmont. Der Löwe ist.. na ja (und hätte ich heute nicht von der einen weiteren Deadline erfahren, ich würde ihn neu zeichnen. Welp). Aber die Sachen sind okay. Ich kann sie tags darauf noch ansehen und selbst das Medley ist irgendwie.. gut? Das vielleicht nicht, aber es sind Fetzen von mir; so kleine Brotkrümel, oder auch Papierflieger, die später hoffentlich in der Stadt verteilt werden. Es ist seltsam, was so ein Name auf Papier oder auf Stein mit einem tut.

Der Chemiker weigert sich, die Filme anzusehen, die ich für die Seminararbeit brauche, so bescheuert sind sie. Kann ihn verstehen. Kant und Burke in postapokalyptischen Hollywood-Blockbusterschinken, yeah right, dude. Und das obendrein mit einigen Stopps, damit ich mir die nötigen Notizen zu Kameraführung und co machen kann. Wie gerne hätte ich Mitleidende, mit denen ich diesen Mist durchdiskutieren und notfalls ein nicht ganz so armseliges Bier darüber trinken kann, während man sich darüber austauscht, ob der Punkt da unten als Mensch gilt und die Relation zum Erhabenen vergrößert, aber fürs Heranschleppen potenzieller Opfer ist ohnehin kaum Zeit. Das wird ein besinnlicher Mittag mit Solo-Bierchen und viel, viel Geduld. Ja, Mittag. Ja, Bier. Buhu. Irgendwann wird es doch Abend und vielleicht gesellt sich der Chemiker ob des ohnehin besetzten Fernsehers ja dazu~.

Heute ist der letzte Tag des theoretischen Intensivkurses und ich kann mich moi immer noch nicht in einem Schlachtschiff mit Motor vorstellen. Das wird ein Spaß. Lissá ist dabei das rettende Seil zwischen all den Kiddohs, die ich am liebsten allesamt an die Wand klatschen würde; weil sie den Unterricht stören; weil sie dumm sind; weil sie eben 17 sind; war ich damals auch so? Mein Gott.
Nach der letzten Stunde, wo es ohnehin bereits tiefer Abend ist, verschleppen wir uns gegenseitig ins berüchtigte Anzengruber, das mit dem legendären Gulasch, auf ein paar Drinks. Sie tut gut, selbst wenn ich gerade müde, unkommunikativ oder angestrengt von der Welt bin, und das erstaunt mich immer so ein bisschen. She’s a keeper unter den Freunden und Bekannten.

We survived the Easter Bunny; again this year. I almost forgot that I was about to enter ramshackle terrain; and, eventually, stayed a bit longer than expected. I am rather sick of this whole people-being-pissed-at-me- and people-judging-me-thing and I’m glad that this issue can be ignored at bigger events now. Yet and still, one thing always hurts a bit: I like people. I miss people. And I don’t see how I should talk to them, since communication failed those last times. And it failed big; fiasko-like. I am more or less okay with it now. I just think that it’s like, me and those people, we are living in one big neighbourhood, and have these self made plastic cup phones made of yogurt corpses, and after all these years, they don’t seem to work anymore. And no one is leaving their houses, for one reason or another.

sweet tasting suckerpunches all the way

heart

 

Wir sitzen uns im Café gegenüber, in welchem er mir den besten Espresso der Stadt versprochen hat. Ich bestelle Cappuccino, er lacht, es kümmert ihn nicht, solange er rauchen kann, vielleicht bemerkt er es auch gar nicht. Nachdem der Anruf eingegangen war, fragte ich die Lektorin, ob ich mich auf Hiobsbotschaften gefasst machen solle, wenn der Großmeister zum Kaffee lädt. “Nein, er hat nur gerade gute Laune.”, meint sie; natürlich hat er das. Wer kann von sich behaupten, ein ganzes Buch in nur wenigen Wochen aus dem Boden hervorzustapfen und nebenbei noch einige kongeniale Songs im Stile Tom Waits’ zu schreiben? Sein adamah scheint ein sehr fruchtbarer aber dafür umso frustrierter und wahrscheinlich auch grausamer Ort zu sein. Es gibt mehrere Stellen darin, an denen ich lachen muss. Bei den Koi-Karpfen und bei “Karp4” und an vielen, vielen Momenten der so gravierend brachialen wie herrlich-ehrlichen Weltauffassung von M. Beim Lesen in der U-Bahn muss ich die ganze Zeit traurig lächeln und komme mir dabei selbst oft doof vor, wenn ich mich ertappe.

Ob ich mit meinen Zeichnungen Karriere machen möchte, fragt er. Ich pushe den Kommentar gen Boden, es sind Kritzeleien und sie machen Spaß. Ja, ich illustriere für das Magazin, aber das ist etwas Naheliegendes und hat keine Großartigkeit und nur ganz wenig Stolz dahinter. Drei Nächte später liege ich wach im Bett und denke darüber nach. Warum eigentlich nicht? Warum nicht frech und dreist sein und sagen, doch, schreib doch wieder einige deiner wunderschönen Gedichte, wie das lilafarbene mit dem Wald darin, ich illustriere sie für dich? Schließlich, und das kam vom Großmeister, sei ich nicht wirklich so weit entfernt von seinem derzeitigen Illustrator. Das klingt schön, das tut gut – und ich merke, dass es in einer ekelhaft kapitalistischen Welt Demut und Dankbarkeit und positive Bestätigung braucht, abseits von Ego und Wettbewerb.
Das Gespräch mit ihm hat etwas Schönes. Wir erzählen ein wenig von unseren Leben und der Außenseiterrolle durch Migrationshintergründe, physische, ideelle, geistige, und dass wir uns in dieser Rolle, oder eher unserem Dasein in dieser Art der Geschichte wohl fühlen; wer wären wir denn sonst? Vielleicht, denke ich, ist er einer der Glücklichen, die sich mögen, zumindest sich mit einem selbst arrangiert haben aus der Einsicht, dass es abseits davon nicht mehr besonders viel geben kann.

~

Und dann, vor zwei Tagen oder so: Die Chefitäten haben das Labyrinth verlassen und Sempai kommt hinüber, zu einem kleinen Smalltalk, der schnell in einen Kleinvortrag über Zahlenmystik und eine Diskussion über byzantinische Kunst mündet. Ich erzähle ihm von der Peterskirche und wie ich letzten Sonntag dort gelandet bin, die Orgel und das Ei und den Vogel darin an der Decke bestaunt habe; ich beiße mir auf die Zunge und sage nicht Demiandu weißt schon, Hesse? Der dumme Schnitt von zuvor blutet, ich versuche möglichst dezent, mein Handy von all dem Rot zu befreien, das ich zuvor nicht bemerkt habe, lache dabei in mich hinein, während ich ihm von dem Orgelkonzert erzähle, dem Stabat Mater Dolorosa, in das ich zwei Minuten vor Beginn hineingestolpert und bei dem ich noch eine ganze Weile geblieben bin, aus einem mehr als seltsamen Gefühl heraus, bis mein Puls wieder in einem humanen Normbereich lag. Die Alt-, Sopran- und Mezzosopranstimmen gehören allesamt Japanerinnen. Das Kayokid und ich hören es uns diesen Samstag (noch einmal) an, da ist es wieder um 15 Uhr, ebenfalls in der Peterskirche. Ich war lange nicht mehr überwältigt; es ist wunderschön.
Bonne chance, denke ich mir, und frage ihn, ob er die Sage vom Golem kenne, und er beginnt zu überlegen; empfiehlt mir diese schwarzrote Ausgabe von dtv, die Geschichten von Perutz. Meyrink gibt es in derselben Edition, es liegt bereits bei mir zuhause. Nachts unter der steinernen Brücke kommt am Montag; dafür habe ich Mr. Hardlove auch lange genug mit der Sucherei gequält. Ich seufze und frage mich, an welche Leben Menschen sich verschwenden können.

sleepless spring nights and shady bars

anchor

Wir sind noch einmal bei der Würstlbude gelandet, direkt vis a vis der Peterskirche, und ich habe Früchtetee getrunken, der selbst im wirklich betrunkenen Zustand auch wirklich ekelhaft schmeckt. Pappbecher und Teefabriksbodenmist. Ich lache, er hält warm, Hauptsache heißes Wasser ist dabei, das mich nach Hause führt. Ein Typ am Stand beginnt mit uns zu reden, ich weiß nicht mehr, worüber, gibt mir später seine Visitenkarte und allen weiblichen Anwesenden ein Bounty. Das Ende eines beginnenden Morgens, wäre ich nicht mitten in der Innenstadt, könnte man vielleicht schon die ersten Vögel hören. Zuvor, Theater. Senpai blickt öfter als einmal auf die Uhr, während er neben mir sitzt, hält sich aber zurück, den Mac der Co-Producerin zu hacken, wie zuvor angedroht. Dass das seine Freundin ist, scheint dabei keinen Unterschied zu machen. Das Stück dauert zwei Stunden, die Eltern der Lektorin haben sich heute scheiden lassen, sie hat Hunger, was in Würstlbude und danach Bar endet. Eigentlich hätte ich das Bockshorn ums Eck vorgeschlagen, aber unten haben sie Tegernseer. Auch wenn mir das erst nach Mitternacht bewusst wird. Ich rauche Chesterfield, diesmal die blauen, verschütte Averna, schenke Blumen, verschweige Absichten, fluche und lache ein wenig zu laut. Das hat was, und die Abende davor hatten es auch bereits; diese Woche war so voll davon, von etwas, das meist abends beginnt und erst morgens endet, das Dunkelheit braucht und mit einer Anschmiegsamkeit lockt, die mich viel zu lange bleiben lässt und sehr gut tut, solange man nicht aufstehen muss. Die Morgen danach sind fürchterlich. Ich merke, was ich da mache. Es ist eine Art, dem Stress und allem Ärger zu entkommen, der keine Zeit für Sport und Aderlässe lässt, und über nichts traurig sein zu müssen. Es ist Klischée und durchschaubar und beinahe richtig langweilig, muss ich gestehen. Die meisten Dinge, die ich tue, sind im Grunde ziemlich transparent. Die Zeit, die ich abzweigen kann, ist jene, in der ich schlafen könnte. Sonntags hatte ich den ersten hypnagogen Zustand (ich kann es längst nicht mehr “Anfall” nennen) seit sehr langer Zeit. Begin of twenty-somethings says mochi-mochi.

Die Peterskirche hat die größte Kuppel nördlich der Alpen und ich habe noch nie ihren Bauch gesehen. Es fehlen die Abende, an denen man durch die Stadt streunt, oder einfach tut, worauf man Lust hat; wie das Billard spielen mit dem Kayokid letztens oder Darts mit Senpai (holy miez, what a wortwitz) und Lissá und dem Chemiker. Ich glaube, es könnte doch etwas mehr sein als reine Flucht, eher so etwas wie Grundbedürfnisse. Kanada, ruft Senpai, Kanada! und ich schüttle den Kopf und das Lachen in meinem Kopf nimmt kein Ende. Am Dienstag schmuste die Lektorin so liebevoll mit ihrem Herzbuben und ich freue mich, dass sie ihn in ihrem Leben hatte, bevor sie von ihren Eltern die Nachricht erfuhr; manche Dinge kommen im richtigen Augenblick, manche im genau falschen; Dingen scheint es sehr egal zu sein, wann sie passieren. Auch das ist ein kleines Problem manchmal. Im November waren alle Dinge auf einmal da und standen um mich herum, bis ich anfing, zu weinen. Seither geht es wesentlich schwieriger durch die Tage, aber sie passieren ohnehin, und wenn ich ein wenig unkritischer bin, sehe ich, dass sie sehr schön sein können. Wie das kleine Monster, das mich zuerst beißt, auf dass die blauen Flecke jetzt noch größer werden, und sich dann auf meinen Schoß kuschelt, nachdem er mich in der Badewanne fast wieder attackiert hätte. Danach habe ich angeboten, öfter auf ihn aufzupassen; ihn machen die Menschen so fertig, und ich gebe ihm einfach Essen, wenn er beginnt, Kinder zerfleischen zu wollen – das lenkt ab; das würde ich bei mir auch so wollen.

Jetzt gerade hört der Stillstand auf und alles bewegt sich unglaublich schnell und laut, auch die Menschen um mich herum, auch ich, und manchmal ist es zu viel, oft noch zu wenig. Ach man, diese Welt.

Ein Y zwischen zwei Spiegeln.

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Mise en abyme, du holdes Miststück. Es bringt mich seit Tagen zu der Frage, wann ein Warum aufhört und wie groß der Abstand ist, der Unterschied zwischen zwei sich gegenüberstehenden Spiegeln. Ein Warum wird immer kleiner, (tut es das?) aber nie bricht es aus seiner Spirale, die in eine Unendlichkeit geht. Wir nennen alltägliche Dinge, wir sagen fastimmer, fragen weshalb und wieso und es entgleiten uns Warums, die in den Himmel steigen, also das nächste Unendliche anvisieren, das sie in dieser Außenwelt zu fassen vermögen. Sie haben die Erhabenheit eines inneren Abgrunds verlassen und müssen sich nun in einer kalten Fremde orientieren. Meine Mathelehrerin hat immer gesagt ‘Fast ist alles bis auf unendlich viele’. Schlaue Dame.

Das Paradiso Dantes Divina Commedia hat Doré in einer unendlichen Spirale an Engeln dargestellt, das in einem Licht endet, irgendwann, und damit das Undarstellbare in eine Kupferplatte gefräst.
Manche Dinge, wenn auch so ganz unendlich, sind vielleicht und im Grunde gar nicht so weit von uns entfernt, und ohnehin ist es ganz egal, wenn wir darüber nachdenken, dass wir in einer Welt wie dieser so alleine sind, durch eine Physis, und damit nie eine Unendlichkeit sehen werden. Es gibt diese Dinge, die wir nicht wahrnehmen oder zu fassen vermögen, auch wenn wir von ihnen wissen. Wir wissen vom Tod, von großen und kleinen Kriegen, kalten und heißen und von so viel Ekel und Leid, und sie tangieren uns meist so wenig wie das Mittagessen von gestern; es ist ein Selbstschutz, aber manches Mal ein äußerst abscheulicher.

Dem Chemiker geht es wesentlich besser, nach beinahe einem Monat Regeneration. Mir geht es gut. Das viele Arbeiten hat den Vorteil, sich heimelig in dem kleinen Bücherlabyrinth zu fühlen. Es wird nicht von mir verlangt, ich biete es an, und verbringe das Wochenende damit, zu lesen, an- und wegzustreichen und Worte zu googlen. The Saurus and Dude N. as best friends for the weekend. Es war intensiv, aber schön, und wenn ich noch diese Woche überlebe, dann kann ich endlich wieder an die Oberfläche tauchen und mir alles schnappen, was diese bietet – Luft, Bier, Schlaf, sowas.

Heute im Kojiro – die Lektorin grinst mich an, meint so über ihrem Maki, ähm, da sei übrigens was. Das kann immer gut und schlecht sein, es biegt dann plötzlich ab, und bis einige Zentimeter vor der Kreuzung ahnt man noch gar nicht, wohin. Der Schwierige würde mich in seinem Buch erwähnen, nur ganz kurz, und übrigens namentlich. Ich lache herzlich, sehr, und denke mir: Wie schön ist Ping-Pong spielen. [Es geht um einen Theaterintendanten in der Klapse und es wird übrigens großartig.]

Diese seltsamen Tage, wo das perfekte Wetter die Stadt entlangfließt, ach.

breakfast

 

Ich laufe vorbei an Pavillon Nummer 5, servus Rothschild, aber es war schon einen Tag zuvor, abends genauer gesagt, dass ich mich daran erinnerte, wie ich letztes Mal Hiob herausgefordert habe, weil man ja als pragmatischer Mensch nicht an Unglück glaubt. Das letzte Mal, neun Jahre her, war es auf diesem Hügel hier, auf dem ich mich verlaufen habe, oder war es das Wilhelminenspital, an dem der Bus zuvor vorbeigefahren ist? Ich hätte zum Rosenhügel müssen, zu diesem etwas hässlichen grellen Sofa und dem Tischtennistisch. Take your sorrow and make it a great story he said. Das war einige Jahre später, drei, vier? Ich sah Neil Gaiman an und dachte, würde ich deine literarischen Pattern nicht kennen, ich würde dich für pietätlos und pathetisch halten. Aber er hat recht, für mich, und aus einer sehr psychokonstruktivistischen Perspektive heraus betrachtet, da hat er für mich sehr, sehr recht. Autoren, d.h. jeder Mensch, der schreibt, ob nun klackernd oder kritzelnd, egal was, schreiben sich selbst in ein Papier oder einen Bildschirm hinein, und nehmen dabei alles mit; Pathos wie Pragmatismus, und erst recht ihre Pietätlosigkeit. Das hat Schönheit.

Die Platte ziept ein wenig, der Schallplattenspieler ist neu und eher die günstigere Variante, aber in einen braunen Koffer eingebaut und transportierbar. I don’t need an evening to enjoy an evening with Neil and Amanda. Sitting here, eating sweet rice and chocolate in the morning, something in me is breaking in a beautiful way. Breakfast it says, breaking fast is what I’m thinking.  Too much Tawada, the child of leaves, too much Otto Wagner and me-time. Ich erkenne Dinge an mir und meiner Umwelt in den ersten Tagen des Jahres, die ich bald darauf wieder vergessen werde, nur um mich ein Jahr später wieder darauf zu besinnen. Vielleicht ist ‘vergessen’ auch das falsche Wort, denn daran glaube ich nicht. Sie spielen dann nur unten im Graben wieder Orchester und das genügt mir.

Heute sind wir zu dritt, nehmen Mahjongg mit und werden den Aufenthaltsraum des Spitals für einige Stunden kapern. Mit jedem Tag bekommt er wieder mehr Farbe, wir machen Pläne, wie wir die nächsten Tage und Wochen gut rumbringen, was wir canceln und was wir stattdessen einplanen, wie der Alltag nun so wird. Dass Japan das Dümmste ist, was wir umsetzen sollten, ist mir bereits klar, noch bevor er es mir mit dieser traurigen Miene sagt; das erklärt sich von selbst und hat auch keinerlei Priorität. Wir haben sofort gute Alternativen, die machbar sind und grandios.

Trotz Hiob habe ich es gewagt, in meinen Geburtstag hineinzufeiern, eh’ ich frustriert und besorgt mit dem Monster auf dem Haussofa kauere und auf die Uhr starre; im Hinterkopf mit der Besorgnis, dass sich die Feier, da sie so früh startet, auflöst, bevor man überhaupt von ‘hineinfeiern’ sprechen kann, dass es in irgendeinem Sinne awkward mit irgendwem wird, dass wichtige Menschen mir fehlen werden, yadda yadda. Um Mitternacht stoßen wir mit dem… vierten? Krug Met an, die Lektorin reicht mir irgendeinen ominösen pinken Shot und alle, alle lachen. Er fehlte sehr, und doch; es gibt kaum ein schöneres Bild um eine Geburtstagsmitternacht herum als lachende Menschen und einen ganzen Haufen guten Alkohol. Mit dem Chemiker feiern wir, sobald er wieder auf den Beinen ist, und dann ist alles, alles gut. Auch hat nicht nur er gefehlt, somit habe ich nun vier Menschen, mit denen ich, unabhängig jeglichen Anlasses, unbedingt noch das Dasein zelebrieren muss. Das kayokid, Cheshire, das Baumkind und der Chemiker. Auch das würde einen schönen Haufen ergeben.

Das Foto mit dem BBB (Bunsenbrenner-Brain™) und den lachenden Gesichtern werde ich mir vermutlich ausdrucken und rahmen lassen. D’aw. Bevor ich vor Rührung und Möpmöp zerfließe, lasse ich das jetzt so, packe ihm seine Shirts und ein Stück Geburtstagstorte von der gestrigen Familienfeier für uns alle ein und haue mal ab, das ist ja fürchterlich, so viel Glück und diese pathetische Schönheit. Bei Patina muss ich übrigens immer an Tee denken. Später mehr.

 

Koi.