a little bit of anything.

by Demian

baudelaire

A little bit of kitsch bitch flowers, a little bit of slow mo soundtrack. A little bit of tinder cinder romance, a little bit of home alone melancholy. A little bit of pick-locking, a little bit of sleep in alien apartments.

Nach so viel Dreck und Galle absorbiere ich all das Helle, Positive, das mir die Umgebung bietet, nehme an Energie, was ich zu fassen kriege, filtere Partikel aus der Luft, wenn es sein muss, alles Ein- und Ausgeatmete, all die schönen, schönen Menschen, meine Güte. “Seit ich damals einen Unfall hatte, habe ich mich nur mehr den Dingen gewidmet, die ich wirklich tun will. Keine Kompromisse mehr!” ruft die eine Autorin neben mir aus und es wirkt bereits wie eine klassische Konstruktion, nur vom Leben selbst gemacht, “Und zehn Jahre lang habe ich Absagen erhalten, weg damit! Jetzt zerreiße ich sie einfach, sobald sie ins Haus flattern.” bestärkt die andere, links neben mir, deren Sätze ich so oft so liebe und deshalb für einen Moment gar nicht deren Inhalt erfasse. Du hast eine Gabe und du hast Talent sagen sie, ganz laut – so laut, dass andere es hören und nachfragen und ich versinke dann immer ein bisschen in meinem Stuhl, wenn andere mich groß machen, während ich es im Inneren noch gar nicht bin. Ich zeichne nicht auf Lesungen, weil ich möchte, dass andere es sehen, sondern weil es ein Bedürfnis ist, je nach Stimme und Gefühl. Ich merke, wie wichtig mir Stimmlagen und Töne werden, in Intervallen mit gezielter Stille ergeben sie eine Melodie, der ich zu folgen gewillt bin, wenn sie nur einigermaßen meinem Tempo gleicht, mich zumindest einsteigen lässt, bis ich soweit bin. Ich verneige mich vor den großen Menschen, die aufrecht auf der Bühne stehen, wie der Meister und der Stern, die sich gegenseitig so sehr verfluchen und doch meine zwei Widerhaken an der Steilwand meines Glaubens an die Schriftstellerei und oft genug meines Egos sind. Natürlich ehrt es mich, wenn gerade diese beiden mich in ihrem Dunstkreis dulden, im Orbit behalten wollen, selbst wenn es Ende des Jahres in der Branche fürs erste vorbei sein wird. Und auch Poro-san meint wissend, dieser verrückte alte Mann, den ich nie laut so nennen darf, dass sich manche Kontakte halten werden, dafür sorge man schon. Als er mich zum Abschied umarmt und ich ihm zu den unglaublich atemberaubenden Bildern nur gratuliere, nachdem ich nach jeder Betrachtung immer etwas atemlos bleibe, wenn ich wieder auftauche, da spüre ich sein Grinsen an meinem Kopf und höre, wie er sagt, ich sei die nächste hier. Mach mir keine Angst lach ich zurück und er nimmt sie mir, ich solle keine haben, ich solle einfach machen; und ich höre die Worte vom Stern, wie sie sagt, er sei doch auch ein Fan von mir. All das muss hier runter, muss in Worte gefasst werden, denn alles, was ich schreibe, merke ich mir, verinnerlicht sich, verfestigt sich im Rundgang der sonst so widerständischen Windungen im Oberstübchen, und auf dass ich es mir einverleibe: Es gibt Wege, die sind jenseits von Angst, von Panik, von Weltschmerz und von all den Tiefs und Tieferem; wo sonst nur harte Brotkrümel nach einem geworfen werden, da muss man zweimal abbiegen und speist plötzlich von Kaisers Tafel und versteht das Leben nicht mehr. Ich werde meine Nase trainieren, meine Augen, meinen Verstand, mich selbst manipulieren, bis ich einsehe, dass das Leben nicht an der nächsten Ecke endet, dass es immer und immer mehr Ecken geben wird, ewig viele Straßennamen und neue Gassen, immer einen Tisch und immer mehr als das, was man sich denkt, weil das Leben nie vorbei ist, bis es doch mal endet.

Es wird noch ein bisschen dauern, bis ich das Jahr als ein völlig lehrreiches sehen können werde, bis das Zerstörte in neuer Form wieder drangebaut wurde und mir nichts mehr fehlt und ich die Energie haben werde, es nicht mehr zu kritisieren und zu verteufeln; denn es war gut, wirklich, und es war schlecht, so wirklich wirklich schlecht, das natürlich auch. Warum nur benötige ich so lange, mich und die Welt zu verstehen, diesen Abgleich zu machen zwischen dem Innen und dem Außen? Die Ruhe hier in diesem kleinen Ghetto am anderen Stadtrand tut tatsächlich gut. Es ist einer der spelunkischsten Bezirke Wiens und gleichzeitig ist hier alles so kurios, dass ich mich an nichts von drüben erinnert fühle und die Distanz tatsächlich gewinnen kann, die ich benötige, um mich von etwas weiter drüben zu betrachten; in erster Linie mich in Kontext zu meinem Umfeld, das gerade in einem erstaunlich engen Kreis hängt, der sich formatiert und festigt. So klar habe ich lange nicht mehr gesehen; es fühlt sich an, als wäre ich auf dem Weg zu etwas, das zumindest wahrhaftig ist, wenn es schon keine Richtigkeit zwischen Innen und Außen geben kann. Ist gekauft; nehm ich.

Eine Idee um sieben Uhr morgens, und ich finde sie jetzt noch nicht schlecht. Bald habe ich Zeit, bald habe ich die letzten Seile losgemacht, und was dann? Existenzangst, manische Glückseligkeit, lasst den scheiß Walzer. Die Welt ist so schön und voller Möglichkeiten, die zu pflücken sind wie reife Äpfel – so kann sie also auch sein, die Leere am Ende der Kreuzung.

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