And every day, for an instant, I think of you again.

by Demian

 

Endlich ist es Oktober. Ich fühle mich wohler in meiner Haut, ich weiß nur nichts mit meinem Kopf anzufangen. Das ist ein Unterschied. Die Haut, dieses riesengroße, dieses größte Organ unseres Körpers spürt die Herbstblätter auf sich und es fühlt sich wie ein ruhiges Einschlafen an, so sanft und gemütlich diese braune, grüne, rote Rascheldecke. Das ganze Wochenende war eine Art gute Welt, für zwei, drei Tage. Dieses Mal macht es mir nicht einmal etwas aus, dass die Sonne nur so kurz da ist und so wenig hell. “I have loved the stars too fondly to be fearful of the night.”, das ist ein guter Gedanke, das Gedicht ein stabiles Mantra, wenn man auf der letzten Sprossenleiter vor dem Brunnenboden steht, um ein bisschen nachzudenken. Und da liegt er, der Unterschied; auf dem Boden; der Kopf. Es gibt diese Gedanken, an die man denken möchte, weil sie hinter der Glasscheibe stehen, man sieht sie permanent, und merkt, wie sich ihr Mund bewegt, aber nichts ist zu hören von ihren Worten. Ich möchte über drei, vier Dinge sinnieren, doch ich denke nur Ding, nicht wie Ding oder wohin mit dem Scheiß oder warum Ding, nein, nur Ding. Hallo, ja, du bist’s wieder. Ich weiß. Darüber hinaus komme ich nicht.

Und weiter zu den Tatsachenberichten., achronologisch. Der Samstag wurde so vom Schlaf in der Tageshelle verschluckt, dass ich mich gar nicht mehr richtig an ihn erinnere. Freitag saß ich ewig im Verlag, das Buch verlangt einfach zu vieles ab und meine Müdigkeit ist dabei eine stetige Konstante. Vielleicht war die Luft zu schwer, die Taubenflügel, einer links, einer rechts vorm Fenster, nichts dazwischen, ein zu reales Omen. Der Plan, zum Karlsplatz und ins Museum zu fahren, war ein sehr spontaner, aber kein falscher. Eine Tasse Tee hängt jetzt  an meinem Schlüssel, Lumen konnte hoffentlich ein wenig besser durchatmen mit der Ablenkung zwischendurch, und ich habe alte Geister wiedergetroffen; eine, sie erzählte mir, ich sei bis heute ihr Beispiel, wenn es um herzensgute Menschen geht. Ich lache kurz auf, korrigiere sie auf “leichtsinnig und bescheuert”, sage trotzdem brav danke und freue mich, als sie mir einen Sitzplatz anbietet und wir ‘ne Weile reden. Eine andere, auch Geist, mehr Konstante, Dauergast im Hirn, und nun vielleicht nicht mehr so sehr geisterhaft. Wenn sich Menschen konkretisieren, tauchen sie aus diesem zugefrorenen See auf, wie in einem Science-Fiction-Schinken; ich aktualisiere meine Daten über sie, ohne Analyse, alles Rohmaterial. Sie ruft mir nach, ob sie sich trotzdem melden soll. Diese dumm-charmante Art hab ich ja fast vermisst.
Ich habe Boy kennengelernt und wollte ihm die ganze Zeit die Backen langziehen, so süß ist er. Hat mir beim Zeichenbattle dankbarerweise seine schöne Brille geliehen. Ich mag ihn. Wir haben 42-Theorien ausgetauscht, während wir Lottokugeln in dieses Ding stopften und gerade er erzählte mir von der japanischen Auslegung [shi-ni], die ich noch googlen muss, weil noch nicht alle Faktoren so ganz zusammenpassen.

Danach in irgendeine Bar, Stehbeisl. Die Runde ist illustre, Inglo lerne ich endlich kennen und seine Freundin ebenso. Sein Move mit dem Bart bringt mich innerlich zum Lachen und er merkt’s nicht. Wir reden über Camus, und er führt die Fingerspitzen zusammen wie ein Italiener, der sich so richtig freut, einen Gleichgesinnten gefunden zu haben. Er zeichnet, sagt er, ich drücke ihm meinen Block in die Hand und auf die letzten Seiten kommt ein Werk von ihm und zuguterletzt Kritzeleien von allen, während ich kurz auf die Toilette verschwinde; mehr aus Scham, weil sie anfangen, den Block durchzublättern. Die letzte Seite küren nun ein Schweinchen aus Ms und Os, ein Comichund, noch ein Inglo-Werk, andere komische Dinge und ein Penis. Welp. Der Rest des Abends war irgendwas zwischen Pizza, Damien Rice und Rotwein [and then some].

Morgen ist zwar Montag, aber morgen ist auch Oktober. Endlich, endlich ist es Oktober.

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