Deus Ex Teacup

No, not sex. Well, okay. Maybe a little.

And every day, for an instant, I think of you again.

 

Endlich ist es Oktober. Ich fühle mich wohler in meiner Haut, ich weiß nur nichts mit meinem Kopf anzufangen. Das ist ein Unterschied. Die Haut, dieses riesengroße, dieses größte Organ unseres Körpers spürt die Herbstblätter auf sich und es fühlt sich wie ein ruhiges Einschlafen an, so sanft und gemütlich diese braune, grüne, rote Rascheldecke. Das ganze Wochenende war eine Art gute Welt, für zwei, drei Tage. Dieses Mal macht es mir nicht einmal etwas aus, dass die Sonne nur so kurz da ist und so wenig hell. “I have loved the stars too fondly to be fearful of the night.”, das ist ein guter Gedanke, das Gedicht ein stabiles Mantra, wenn man auf der letzten Sprossenleiter vor dem Brunnenboden steht, um ein bisschen nachzudenken. Und da liegt er, der Unterschied; auf dem Boden; der Kopf. Es gibt diese Gedanken, an die man denken möchte, weil sie hinter der Glasscheibe stehen, man sieht sie permanent, und merkt, wie sich ihr Mund bewegt, aber nichts ist zu hören von ihren Worten. Ich möchte über drei, vier Dinge sinnieren, doch ich denke nur Ding, nicht wie Ding oder wohin mit dem Scheiß oder warum Ding, nein, nur Ding. Hallo, ja, du bist’s wieder. Ich weiß. Darüber hinaus komme ich nicht.

Und weiter zu den Tatsachenberichten., achronologisch. Der Samstag wurde so vom Schlaf in der Tageshelle verschluckt, dass ich mich gar nicht mehr richtig an ihn erinnere. Freitag saß ich ewig im Verlag, das Buch verlangt einfach zu vieles ab und meine Müdigkeit ist dabei eine stetige Konstante. Vielleicht war die Luft zu schwer, die Taubenflügel, einer links, einer rechts vorm Fenster, nichts dazwischen, ein zu reales Omen. Der Plan, zum Karlsplatz und ins Museum zu fahren, war ein sehr spontaner, aber kein falscher. Eine Tasse Tee hängt jetzt  an meinem Schlüssel, Lumen konnte hoffentlich ein wenig besser durchatmen mit der Ablenkung zwischendurch, und ich habe alte Geister wiedergetroffen; eine, sie erzählte mir, ich sei bis heute ihr Beispiel, wenn es um herzensgute Menschen geht. Ich lache kurz auf, korrigiere sie auf “leichtsinnig und bescheuert”, sage trotzdem brav danke und freue mich, als sie mir einen Sitzplatz anbietet und wir ‘ne Weile reden. Eine andere, auch Geist, mehr Konstante, Dauergast im Hirn, und nun vielleicht nicht mehr so sehr geisterhaft. Wenn sich Menschen konkretisieren, tauchen sie aus diesem zugefrorenen See auf, wie in einem Science-Fiction-Schinken; ich aktualisiere meine Daten über sie, ohne Analyse, alles Rohmaterial. Sie ruft mir nach, ob sie sich trotzdem melden soll. Diese dumm-charmante Art hab ich ja fast vermisst.
Ich habe Boy kennengelernt und wollte ihm die ganze Zeit die Backen langziehen, so süß ist er. Hat mir beim Zeichenbattle dankbarerweise seine schöne Brille geliehen. Ich mag ihn. Wir haben 42-Theorien ausgetauscht, während wir Lottokugeln in dieses Ding stopften und gerade er erzählte mir von der japanischen Auslegung [shi-ni], die ich noch googlen muss, weil noch nicht alle Faktoren so ganz zusammenpassen.

Danach in irgendeine Bar, Stehbeisl. Die Runde ist illustre, Inglo lerne ich endlich kennen und seine Freundin ebenso. Sein Move mit dem Bart bringt mich innerlich zum Lachen und er merkt’s nicht. Wir reden über Camus, und er führt die Fingerspitzen zusammen wie ein Italiener, der sich so richtig freut, einen Gleichgesinnten gefunden zu haben. Er zeichnet, sagt er, ich drücke ihm meinen Block in die Hand und auf die letzten Seiten kommt ein Werk von ihm und zuguterletzt Kritzeleien von allen, während ich kurz auf die Toilette verschwinde; mehr aus Scham, weil sie anfangen, den Block durchzublättern. Die letzte Seite küren nun ein Schweinchen aus Ms und Os, ein Comichund, noch ein Inglo-Werk, andere komische Dinge und ein Penis. Welp. Der Rest des Abends war irgendwas zwischen Pizza, Damien Rice und Rotwein [and then some].

Morgen ist zwar Montag, aber morgen ist auch Oktober. Endlich, endlich ist es Oktober.

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Aleph

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“Eleven o’clock had come and gone. I had to find a way to bring this conversation to a successful conclusion and get out of there. But before I could say anything, she suddenly asked me to hold her.
‘Why?’ I asked, caught off guard.
‘To charge my batteries,’ she said.
‘Charge your batteries?’
‘My body has run out of electricity. I haven’t been able to sleep for days now. The minute I get to sleep I wake up, and then I can’t get back to sleep. I can’t think. When I get like that, somebody has to charge my batteries. Otherwise, I can’t go on living. It’s true.’
I peered into her eyes, wondering if she was still drunk, but they were once again her usual cool, intelligent eyes. She was far from drunk.”

― Haruki Murakami, The Wind-Up Bird Chronicle

 

Dieses Zimmer mit dem Rotwein und den Büchern in meinem Traum kommt immer wieder zurück. Ich glaube, Rabelais lag in meinen Händen, oder war es Rimbaud? Im Nachhinein kann ich mich an immer mehr Details erinnern; und jetzt, vor dem Einschlafen, besuche ich diese abgedunkelten Wände am Rande der Stadt, um mich dort von den Tiefen der letzten Tage zu erholen. Da sind Briefe in den Ecken, da ist Martha, die meine Batterien auflädt, und es erinnert an zwei angeschossene Wildtiere, in aller Schönheit und mit einem kleinen Hint Verzweiflung an der Welt, aber ganz viel Gefühl. Ich erinnere mich an den Anfang der Geschichte, den ich über sie schrieb – Canada, kleine, dumme Alice, Canada! –, und ich lache, lache, lache über die Ironie. Gerne würde ich durch Prag gehen und mir alles von ihr erzählen lassen, alles was erlebt wurde von allen Menschen in jeder Gasse, von ihr oder von Emmett selbst, der durch ihren Kopf zu mir dringt. Durch die Rohre, die aus dem Waldboden ragen, und die man nur bei Nebel sieht, höre ich ein leises Atmen an meinem Ohr. Führe mich nicht in Versuchung, sagt er mit diesem Grinsen und Martha hört nicht auf zu erwähnen, wir hauen ab, nicht mehr lang, dann sind wir weg. Im Aleph steckt im Grunde alles und nichts und ich kann mich für beide Richtungen entscheiden. Laufen so eigentlich Leben ab oder bin das nur ich?

“I have loved the stars too fondly to be fearful of the night.”

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Akemi fragt mich, welchen Tag wir heute haben und ich antworte, ohne eine Sekunde zu zögern. Nach all der Zeit ist dieses Datum immer noch eines, das nicht vergehen kann, ohne dass ich es bewusst wahrnehme (das habe ich letztes Jahr vermutlich auch irgendwo so ähnlich niedergefasst). Ich habe längst aufgehört, Dinge in meinen Kalender zu schreiben. Ich zeichne sie runter, in einen zerknitterten Block, auf meine Handfläche, mit einem X markiert, auf Zettel, die überall herumliegen, als würde mein Leben aus Papier bestehen. Ich höre in letzter Zeit ständig Debussys Bergamasque Suite, alle vier Parts – aber am liebsten natürlich den dritten, der zuerst da war, bis sich rund um den Mond schließlich der Schein der anderen drei Melodien gebildet hat. Paul Verlaine hat ein wunderschönes Gedicht dazu geschrieben, die Stefan-Zweig-Übersetzung ist mir die liebste (er hat das Wort “Zug” eingebracht und manche Stellen sind zum Erschaudern schön). Ich zeichne ein Gesicht, schreibe die Zeilen daneben und hefte es auf meine Pinnwand im Büro, das immer mehr aussieht wie eine Collage an wahnwitzigen Warteprotokollen. Die meisten davon sind dem langsamen Windows XP, meiner Ungeduld und gedanklichen Abschweifungen zu verdanken. Zeichnen beruhigt, Schreiben auch. Zumindest etwas, irgendetwas, das die Hände beschäftigt hält. Hätte ich keine Panik vor Sauerstoffmangel, ich wäre vermutlich bereits Kettenraucher, und den Trick mit dem Kugelschreiber um die Handkuppen kreisen lassen muss ich auch noch perfektionieren.

Ich möchte Zweigs Version auswendig lernen. Es ist nicht die “offizielle”, nicht die geläufige, aber sie ist die eine, die mich ganz und gar trifft. Es ist auch lange her, seitdem ich Gedichte auswendig gelernt habe – Neil Gaimans “Fairy Reel” steckt aber bis heute in meinem Kopf. Eines, das noch aussteht, ist Sarah Williams’ “The Old Astronomer To His Pupil”, das ich alleine schon wegen des Klangs liebe. Letztens habe ich geträumt, wie mir jemand Balladen zitierte, in dieser Wohnung voll Bücher und kistenweise gutem Rotwein; mehr war nicht darin – ein Zimmer voller Wein und Bücher. Wer kennt denn nicht die Bürgschaft noch auswendig? Welche Bücher waren es nochmal? Tawada Yokos Überseezungen lagen ganz oben, mir wurden andere in die Hand gedrückt, gesagt, das ist das Buch für mich, das war aber nicht nur eines. Wie war der Titel, wer war der Autor? Ich kannte ihn, als ich es noch in der Hand hielt (Nachtrag, eine Stunde später: eines davon waren die Fleurs du Mal. Oh.). Im Hintergrund spielte es Lieder von CCR, die ich dadurch auch nicht mehr mag als sonst. Sogar im Traum erwischte mich der Rotwein zu stark, und als ich wach wurde, wusste ich kurz nicht, wo ich bin.

Wo war ich? (HaHa~.) Wie Murakami, mein ewiger Liebling, in einem seiner Bücher, ich weiß nicht mehr welchem (The Wind-up Bird Chronicle?), meinte, es gibt eine Zeit, stillzustehen und es gibt eine, um sich zu bewegen. Ich bin gerade in einem Transit von eins auf zwei, und das Leben kommt wieder in Gang. Möglichkeiten eröffnen sich wie von alleine, Dinge werden klarer und der Kopf leichter. Nur noch ein paar Wochen überleben, noch ein bisschen die Augen schließen, Feuer frei und weiteratmen (Kettcar it is, again). Die Hektik wird nicht weniger, aber die Lösungen leuchten grün in absehbarer Distanz wie Notausgangsschilder. Alles ist gut, alles – auch Watzlawick hat ewig damit recht. Glück ist es, keinen Krebs zu haben.

Where reality begins

where reality begins

Realität bedeutet unter anderem, dass Handlungen Folgen freisetzen. Kausalitäten sind oft zäh; derzeit bin ich mir nicht einmal sicher, welche Wellen ich schlagen möchte. Weshalb gibt es diese etlichen turning points im Leben? Ich dachte, diesen Unsinn mit Anfang zwanzig bereits hinter mich gebracht zu haben und ein aktiver Part meines Daseins zu sein. Ich dachte, dass sich die menschlichen Hautzellen nur alle sieben Jahre erneuern, nicht alle zwei bis drei. Das geht mir alles zu schnell, sagt mein Verstand, und wer soll diesen Unsinn denn bitte mitmachen? Ich kenne mich schon, zumindest zu gut, um diese Schnelllebigkeit, die im Grunde gar keine ist, zu schätzen. Diese Schnelllebigkeit, die eigentlich nur ein anderes Wort für Stress ist. Das Leben ist nicht immer reichhaltiger durch Mehr, sondern durch Wahres. Große Worte, du Großkotz, sagt die Vogelscheuche, von der ich bereits eine Weile nichts mehr gehört habe. Zwei, drei Jahre wahrscheinlich.

Ich biege an der Zollergasse um die Ecke, gehe die kleine Gasse entlang und würde gerne ein einfaches Hallo sagen, mich hinsetzen und eine Tasse Tee trinken, oder Whiskey?, habe aber Sorge um besagte Kausalitäten, die bereits einmal katastrophal waren, und die gewisse Handlungen damit tabuisiert haben – was eigentlich lächerlich ist. Ich bin ein erwachsener Mensch, und wenn ich bei diesem Gedanken nicht gerade manisch zu lachen beginne, weiß ich auch um meine Autonomie (erwachsen sein heißt nur, durch undefinierte Umstände lange genug überlebt zu haben; das ist oft keinen Keks wert, geschweigedenn ein Sternlein im Heft). Wir waren so lange aneinandergeleimt, da sind die Wurzeln kaum herauszureißen; dabei haben diese Wurzeln keine tiefergehende Interpretation notwendig – sie sind einfach da. Was man in ihnen sieht oder daraus macht, sind die eigenen Realitäten, abseits von den Wurzeln selbst. Da gibt es mehr Organschäden und Überreste, von vielen verschiedenen Leuten, und ich mag fast jeden einzelnen davon. Das ist zwischenmenschlich, das ist kausal, das ist eine, meine Realität. Und ich möchte weder Vergangenheiten beleben, noch Narben waschen, ich möchte es als eine Tatsache betrachten, neutral, und dieses Leben mit all den Blechdosen hinten dran akzeptieren.

[Und hier lösche ich einen Absatz, weil er nur Unmut äußert über so vieles, was mich immer noch zornig werden lässt, über das ich gerne Klarheit hätte, wo aber nicht mehr zu reden angesetzt wird, von keiner Seite. Auch das ist ärgerlich.]

Heute. Heute gab es ein vicious tea brewing and drinking, während das zweite Fotoshooting fürs Tee- und anschließend noch fürs Gewürzbuch stattfand, wo wir allerdings aus der Küche befördert wurden, weil die Dame Hummeln im Arsch für drei hatte; da war nichts mehr zu tun, außer den genialen chinesischen Feuertopf zu genießen, der mit weltbesten Gewürzen verfeinert worden war, mit einer Tasse handverlesenen chinesischen Grüntees. (Ich bin so zerschmolzen vor Liebe!) In einer Stunde mache ich mich auf den Weg in Magdas Hotel (zuerst hatte ich “Martha” gelesen und so gegrinst) zu dieser Lesung, wo mir der Chemiker und die Lektorin leider abgesprungen sind, ich mir aber schon wen zum Plaudern finden werde. Schade nur um die eine Reservierung, die nun leer bleibt; aber spontane Kulturminions sind an einem Dienstagnachmittag schwerlich zu ergattern. Vielleicht findet sich noch jemand, aber manchmal ist ein Abend mit Ich & Ich und viel Fingerfood und Wein eigentlich auch ganz okay.

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tick tock nights

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Ich habe mir selbst so ein bisschen versprochen, hier erst wieder zu schreiben, wenn diese Befindlichkeitsfixiertheit (um mal wieder mit Kettcar zu sprechen) etwas nachgelassen hat. Sie schwankt, aber in letzter Zeit geht’s. Ich merke langsam (und my, bin ich langsam ..), woher manche Affekte kommen und manchmal sogar, wohin sie gehen. Und dass meine Entwicklung teilweise noch oder jetzt wieder im Welpenstadium steckt. Dass ich wieder schlecht alleine sein kann, und bäh, hier habe ich Rückschläge erlitten und beiße mich da selbst. Es geht dabei nicht um eine Abhängigkeit von irgendeiner Person, sondern um die Unzulänglichkeit, mit dem eigenen Kopf und Schicksal klarzukommen. Wenn es ganz ruhig ist, höre ich ganz leise das Ende sich räuspern. Hallo sagt es nicht, es sagt sonst und generell nicht viel, aber es möchte mal festgehalten haben, dass es da ist. Und mir im Nacken sitzt und das Räuspern so nahe am Ohr fürchterlich laut und unglaublich nah ist. Dass ich Dinge in den Gedankengang aufnehme wie Torschlusspanik und Sätze wie Was tust du mit deinem Leben und quo vadis, du verwirrter Kreisel. Mit einer irren Geschwindigkeit um mich selbst herum. Ich möchte keine Brücken sprengen, sondern Zelte abreißen. Ich möchte weg. Ich möchte Sprünge machen, nicht nur nach Asien, sondern auch in meiner eigenen Entwicklung. Und Wollen ist halt so oft das Gegenteil von Sein.

Dabei soll es doch ein Anfang sein. Das darf es. Einsicht ist der erste Schritt zur.. auf, nein, auf einem Weg, und Wege führen zwar manchmal im Kreis, aber in meinem Kopf führt er geradeaus. Dabei habe ich lange schon den Gedanken abgelegt, das Leben als eine Chronologie mit A wie Anfang und Omega wie Ende zu sehen und dazwischen diesen Strich unter meinen Füßen zu spüren, wie ein Seil ganz hoch oben. Ein Leben ist eher ein fallengelassenes Ei, so kurz und so wirr und irgendwie immer mit einem Bisschen von Einsamkeit und Verbindung.

Dabei waren die Tage so voll von Dingen, die mir gefallen und die mich wieder aufleben haben lassen, und das könnten sie nun wieder mehr und mehr werden. Ich arbeite daran. Letztens war ich bei dieser Lesung in der Zollergasse und habe wieder Hoffnung für bibliophile Veranstaltungen schöpfen können. Habe wieder gezeichnet, bis es zu dunkel wurde, die Stimmen und Menschen waren so schön. Und nun besteht das Angebot, wenn ich es richtig verstehe, meinen Kram auszustellen. Wie, weiß ich noch nicht. Meine erste Reaktion war, Mr. Poro anzulachen und zu sagen: Wie? Das sind Kritzeleien auf A5. Zu klein für eine Ausstellung. Wertlos, hätte ich fast hinzugefügt und mich im Kopf zuvor gerügt. Ganz nach Groucho Marx: “Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt.” Des Chemikers Bemerkung und mangelnde Begeisterung, mit dem Grund, das wirke alles shady, hat die Euphorie zudem ziemlich vernichtet. Warum bin ich nochmal so ein Weichei? Geez.

Dank dem Kayokid kam die Begeisterung doch ein wenig zurück. Ein Konzept überlegen, Ideen gibt es bereits, und dann mal vorschlagen. Und wenn nicht, es ist egal, weniger als Null geht nicht. Wenn es in diesem Bereich so viele Selbstläufer und Angebote gibt, wieso ablehnen? Wieso nicht wieder mehr von dem, was gut tut und was funktioniert und schön ist? Ich stehe meilenweit hinter dem zurück, was ich als irgendeine Art von Kunst akzeptieren würde; aber von mir aus dokumentiere ich gerne meinen Weg dahin. Wie Tamo, als er schnurstracks und frontal ins Meer ging, Salzwasser schlürfend, ohne einen Gedanken an irgendetwas zu verschwenden (ein Bild für die Götter). Hunde eben. Jetzt trägt er immer ein Stück Ostsee mit sich, irgendwo in seinen Magenzellwänden oder so.

Addendum

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The Perseids were at the peak of their meteorite shower performance when we drove to the observation tower in the middle of the forest on Friday. It was almost midnight when we arrived. The wind was so heavy I could barely stand, tears in my eyes, mouth empty of words that were eaten by the flurries as soon as they were formed. The first shooting star he ever saw in his life was one of the most beautiful things I’ve ever seen.

the incredible weariness of being. || Or: the big mimimi.

fuckyoushadow

 

Es gibt nicht wirklich Worte für gewisse Momente. Ich weiß, dass, wenn Menschen gewisse Dinge sagen, wir beide, das Gegenüber und ich, im Hinterkopf haben, dass es unzureichend ist, dass die Grenzen von Sprache zu eng gesteckt sind in unseren Köpfen, und dass der Wortschatz gar nicht blumig oder eloquent genug sein kann, als dass er Situationen gerecht werden könnte. Vielleicht hatte Wittgenstein doch nicht recht, vielleicht verstehe ich ihn auch einfach nicht, vielleicht fehlt mir noch die richtige Tractatus-Lektüre, aber solange denke ich noch, dass die Dimension Mensch viel weiter reicht als eine Entschuldigung, als eine Mitleidsbekundung, als ein Dankeschön, als ein Ich liebe dich, oder sogar ganz woanders hingeht. Wissen wir eigentlich noch, was wir sagen? Wie tief und wie breit ist der Abgrund zwischen Wort und Ding und Sein? Ich habe schon lange keine richtigen Worte mehr gehört, nur die wahren Absichten dahinter bemerkt, und allmählich nehmen sie einen Stellenwert ein, der zwar nicht mit dem Glanz von Sprache konkurriert, der aber abseits von ihr steht und diesen Momenten damit ihre eigene Schönheit zugesteht.

Gerade macht nichts Spaß, nichts begeistert und ich fühle mich zurückerinnert ans Anfang-20-Ich, nur dass ich das Monster diesmal bereits kenne und mir nicht mehr viel dabei denke. Ich ärgere mich nur. Putze die Wohnung, gehe ins Gym, versuche zu zeichnen und bei guten Schüben mal was zu schreiben. Nicht sowas hier, was Richtiges. Ich bin gerade nicht einmal mehr abseits von mir, sondern viel weiter weg und habe keinen Sinn mehr für ein Ich. Es ist gerade zerstreut in tausende Teile, jedes davon steckt ganz woanders, in Projekten, in Zeichnungen, in Schriftstücken und in den Augen oder Ohren von Menschen um mich herum. Ich habe aufgehört, das Kind beim Namen zu nennen, es ist erwachsen geworden und steht mir gegenüber, auf Augenhöhe sieht es mich an und lacht nicht mal mehr hämisch. Das alte Spiel. Auch ihm ist’s langweilig geworden. Was tun?

Ich habe Tee getrunken, geduscht, was gegessen, Sport gemacht und darüber geschlafen. Top Five Tools der Monsterbekämpfung funktionieren nicht, also ist es ein wahres Problem. Hallo, du. Ich habe endlich eine Facebook-Seite für die Zeichnungen erstellt, während ich die letzte Woche mit Führerscheinprüfung und Referat hinter mich gebracht habe, vielleicht motiviert das. Vielleicht ist es auch einfach die Nüchternheit auf ein wenig Ruhe, die ich nun habe und genießen sollte und die Leere, die einsetzt und komisch wirkt, weil zuvor so viel war. Ich sollte ein wenig runterkommen von dem Adrenalintrip und den schnelllebigen Wochen und nicht mehr das erwachsene Kind als diese andere ominöse Figur betrachten, die ich mir immer vorstelle, wenn ich an Leth, meine liebe Lethargie denke, sondern als mich, denn was ist abseits davon noch?

Es gibt dazwischen schöne Momente, zum Beispiel, wenn der Chemiker mir rät, heute nicht mehr aufs Handy zu schauen, wir uns aufs Sofa setzen und bis in die Nacht Persona 5 spielen, wenn wir endlich wieder Zeit miteinander verbringen und irgendwann nebeneinander einschlafen, aus der Ruhe des Augenblicks heraus. Ich möchte mich ihm nicht in diesem Stadium antun, es führt nur leider nicht viel daran vorbei. Ich reiße mich zusammen und er weiß zwar nicht so recht, was los ist, aber er spürt mittlerweile sehr genau, dass es etwas ist und dass er nicht viel mehr sagen kann, außer zu fragen und mich ab und an zu umarmen. Mehr möchte ich da im Grunde gar nicht, der Rest ist mein Schierlingskram und nicht seiner. Ich möchte mich auch nicht erklären, weil ich weiß, dass ich es nicht kann, das ging noch bei niemandem gut, außer vielleicht beim kayokid. Es ist kein schlimmes Gefühl, es ist nichts Bedauernswertes, sondern eine Weile, in der man nicht existieren möchte, weil man dann da sein muss und handeln muss, und selbst, wenn man in die Luft starrt, ist es eine Handlung, und da reicht die Energie gerade nicht. Ich denke manchmal immer noch an dieses blaue Nichts, das ich mir immer vorstelle, ein Equilibrium, in dem man sich ausruhen kann, in dem eine Regeneration möglich ist, und die Energie, die durchfließt, auf keine Sinne trifft, sondern nur auf einen reinen Kern. Und dann geht es wieder und man kann weitermachen mit dem Lebendigsein, dem Atmen und dem Leben ansich. Ich werde vermutlich mal Meditation ausprobieren, um besser abschalten zu können, um ein neues Ventil zu haben, wenn die Welt gerade wieder zu viel wird und es keine Brunnen gibt, in die man hinabklettern könnte. Ich war noch nie allzu gedankenlos.
Ich kann mich gerade nicht an diesem sinnlosen kleinen dead letter office erfreuen,  weil ich zugleich den letzten Briefen gedenke und innerlich dem kleinen fool me twice und dem etwas größeren Well, fuck you too. An manchen Tagen schmunzle ich darüber, an anderen fluche ich innerlich auf und kann nicht anders als mich zu ärgern, was das Ganze soll. Ich habe mich dabei erwischt, zu den Gleisen zu schauen, wo Ben stehen würde, und habe mich daraufhin innerlich verlacht für meine Dummheit. Nicht so, mein Herz, nicht so. That’s another train station you landed up being. Der Abgrund zwischen Wort und Ding und so.

Gaunerzinken im Eigengrau

wolkenfresserin

Es ist diese Zeit im Jahr, in der man Vögel sieht, wie sie Zweige und Äste in Mauerlöcher und hochgelegene Balustradenritzen tragen [Hast du gewusst, dass das Wort “Balustrade” vom griechischen βαλαύστιον / balaustion abgeleitet wurde und Granatapfelblüte bedeutet?]. Es ist diese Zeit im Jahr, in der man von Todesfällen bei grellem Sonnenschein erfährt. Es ist diese Zeit im Jahr, in der die Hitze einem zu Kopf steigt und den Stress nicht kleiner werden lässt, in der man im Grunde nur mehr Urlaub haben möchte, wobei Urlaub ein Euphemismus für abhauen ist.

Ich lese vom Kampf mit dem Alter und dem Sterben der Generationen, während meine eigene Großmutter irgendwo in einem kleinen Dorf in Russland beinahe unbemerkt stirbt, weil sich Menschen nicht um sie kümmern. Nicht die Ärzte, die sie seit Jahren wohl nicht mehr gesehen hat, nicht die eigene Tochter, meine Tante, die wieder dem Alkohol verfällt, nicht der Schwiegersohn, der nichts besseres zu tun hat als in Gewaltakte zu verfallen. Die Kinder sind die einzigen Ansprechpersonen, und meine Mutter telefoniert mit einer von den Geschwistern und bittet sie, zur Oma zu gehen, zu schauen, ob sie Wasser hat, was zu essen hat, sie solle sie doch bitte füttern und ihr was zu trinken bringen und ihr kurz den Hörer geben. Meine Mutter hat erzählt, wie schwach sie klang, aber sie habe sie noch erkannt. Sie solle auf sie warten, sie komme im Juli, und sie solle durchhalten bis dahin. Sie hatte sich bedankt und ist tags darauf in den Morgenstunden gestorben. Die Beerdigung dürfte mittlerweile vorbei sein, meine Mutter ist gestern noch nach Ufa geflogen, meine Schwester und ich konnten nicht mit, weil es so kurzfristig zu dritt kompliziert geworden wäre. Die sonst so unfreundlichen Leute bei der russischen Botschaft gaben ihr dabei sofort ein Visum, sprachen ihr Beileid aus und wollten keine Bezahlung dafür entgegennehmen.
Ich kannte meine Großmutter kaum, vor drei Jahren habe ich sie zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wiedergesehen, was sie sehr gefreut hat. Ein Zugang hat mir damals dennoch gefehlt, als ich in Ufa und Birsk bei der Verwandtschaft wohnte. Das Russische als Sprache funktioniert für mich einigermaßen, die Überforderung von Verwandtschaft, Emotion und Sprachaustausch auf sechs Tage verteilt war allerdings zu viel. Und dennoch. Sie hatte mich noch einmal gesehen, ihr zuvor am Telefon geäußerter Wunsch: “Bitte komm mich besuchen, bevor ich sterbe” – das habe ich erfüllt und für sie war es bestimmt auch eine Art Erfüllung, so hoffe ich. Ich für meinen Teil weiß noch nicht ganz, was ich mit diesem angesplitterten Element von mir anzufangen habe; mit allem, was unter der Haut auf Kyrillisch verfasst wurde, als sich noch komplett neue Synapsen in meinem Kopf zusammenbasteln mussten. Kaum möchte ich Gefühle dafür entwickeln oder auch nur mit einer Emotion behaftet einen Gedanken dazu fassen, leuchtet eine große Reklame vor meinen Augen auf, симулянтка, Heuchlerin, und ich muss wieder zurück an den Start. So geht das ewig dahin, seit einigen Jahren schon. Und graben wir jetzt nicht wieder die Vaterthematik heraus, das ist da ganz ähnlich.
Es ist also keine Trauer, die ich empfinde, zumindest nicht für meine Oma, die ich kaum kannte, sondern für meine Mutter, in dem Wissen, dass es ein natürlicher Prozess ist, dieser Generationenwechsel, oder das Dahinscheiden der Generation wohl eher. Mitleid, ich denke, das ist es, sowohl für meine Mutter, die sich Schuldgefühle einredet und ihre Schwester verflucht, wie auch für meine Oma, die unter furchtbaren Bedingungen ihre letzten Jahre in Birsk verbracht hatte. Mitleid für die Kinder, die ich ein wenig ins Herz geschlossen habe, und die unter alkoholkranken, gewalttätigen, unreifen Eltern leiden müssen. Die Welt ist manchmal ein mieser Ort.

Abseits davon habe ich meine juristisch vorgeschriebenen Fahrstunden in dieser Brutstätte des Chauvinismus endlich ausgesessen, die mich einige, nein, viele Nerven gekostet haben. Am Montag ist die theoretische Prüfung, am Dienstag ein Referat, das wieder dasselbe Problem enthält: spannendes Thema [Das Paradoxe an Zen-Kôans], zu wenig Zeit. Die Redaktionssitzung habe ich abgesagt, da ich den Dienstag bei meiner Mutter verbracht habe und nun das Referat dringend fertig werden muss und meine Nerven wieder einmal ziemlich blank liegen; langsam lerne ich mit dem Zustand zu leben, was irgendwie auch traurig ist. Ich mochte den Eskapismus mehr, der hatte irgendwie noch Hoffnung auf Besserung des Zustandes enthalten. Aber es geht schon, es könnte um ein Wesentliches schlimmer laufen, denke ich mir, und genieße die Minuten, in denen ich ausgeraucht Zeit habe, die Decke anzustarren oder mit dem Monster zu kuscheln. Die Welt ist okay, nur eine ganze Weile lang suboptimiert. Das nervt. Mehr ist es nicht.

Als ich das Wort Eigengrau lese, muss ich fast laut auflachen und blicke auf meine Handynotizen von vor einigen Tagen. Ich mag das Wort. Auch Gaunerzinken. In dieser Kombination stelle ich mir Murakamis Brunnen vor, in den Mr.-Wind-up-Bird klettert und die Augen schließt und ständig die komplette Dunkelheit sucht, aber nie so wirklich findet. Sieht man darin Gaunerzinken? War schon mal jemand hier und hat versucht, sich Zugang zu verschaffen in diese schöne private Schwärze innerhalb der Augenlider? Und was hat er dann mit der Spitze seines Dietrichs wohl markiert?

Das bar stool medley wird scheinbar doch abgedruckt, dabei finde ich es stellenweise nicht mehr so besonders. Aber die Nachricht, die Intention bleibt, die Brotkrumen sind verstreut und eigentlich ist es mir dabei fast egal, ob sich jemand im Wald verirrt oder da überhaupt heil wieder rauskommt. Ich bin da nicht nett, ich tue nur, was ich möchte.

Letzten Dienstag, während ich unten in diesem charmanten, minder beleuchteten Cafébar-Ding saß und auf Lissá wartete und mir Wein bestellte, kam auch sie an die Bar, bestellte sich irgendwas und murmelte wirres Zeug, nachdem ich über die Situation lachen musste. Ach, medleys.

Mehr später. Jetzt erstmal Kaffee und Donuts und Unizeug und bluärgh. Gnah my life.

Replies.

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Serious case of headache. Serious case of stomachache. Serious case of tired. And serious case of some more mimimi-matters. Spent the last couple of days preparing tea like a madman (eh, mad hatter?), using an old brass scale with a sixpence taped onto it. Classic. If you get to know a tea master and even get the chance to make a book with him, make sure that you keep him. He, ocha-sensei (I need to find a non-Japanese name for him), visited Vienna for three days with his charming wife, coming all the way from the North of Hamburg, and I think I have a youngster-bonus here; with all the people around his age he’s always wearing that grave expression and seems like a typical Northerner – quiet, stern, and most of the time not amused by anything. With me though he jokes around, not too loud and quite discreet, but with that twee smirk on his face, grinning. As we spend our last day brewing tea and taking pictures of it at Port Venus in the west of Vienna, he gives me two of his finest selections as a thanks and I am deeply honoured how he seems confident that I can value the taste of this little piece of liquid gold.

Und obwohl das Magazin doch so ein eher kleines ist, saß ich irgendwie auf Nadeln; gut riechenden Tannennadeln zwar, aber auch die machen den Arsch nervös. Dann kam die Nachricht der Herzkönigin (how else to name her? it fits rather perfectly ..), und ich habe ein wenig gebraucht, die kyrillischen Lettern auf dem kleinen Bildschirm entziffern zu können. Sie ist begeistert und das streichelt natürlich die Seele (- sehr); hat gefragt, ob ich darüber hinaus nicht noch “vier kleine Seitlein” illustrieren könnte. Die seien zwar auch auf Russisch, aber ich würde sie sicherlich verstehen und umsetzen können, und ich habe gerade eingewilligt – mit der Bedingung, dass dies erst nach dem morgigen Tag gestartet wird, da die furchtbaren papers vorher erst erledigt werden müssen. Am Mittwoch nach der Triple-Lesung saß ich noch mit dem rothaarigen Geistchen und ihrem Mann, sowie der Lektorin in der Vinogin-Bar und durfte mir anhören, ich solle mich nicht unterm Wert verkaufen – dass das nach was aussieht und so. Es sind viel zu charmante Bezeichnungen gefallen und Ermunterungen, und es ist nach wie vor tragisch, wie sehr das Ego sich an solchen Dingen aufhängt. Im Grunde mag ich das nicht, und die ganze Auflehnung gegen Lobeshudelei und dieses “ich mach das nur so” – es gibt vieles in mir, das es genauso meint. Damals in der Theaterbar habe ich Sempai mit einem wohl etwas zu apokalyptischen Grinsen gesagt, dass ich ihn bestimmt nicht zu ernst nehme – ich nehme nämlich im Grunde nicht wirklich irgendetwas so besonders ernst. Erst, als der etwas erstaunte Blick und die ein oder andere Nachfrage folgte, reflektierte ich zum ersten Mal seit langen Jahren über dieses so salopp dahergeworfene Motto, das da besagt: Im Grunde ist dir dein Leben wertlos. 

Das stimmt so nicht. Das beweisen mir die Träume über endgültige Enden und die Panik davor, und die Tränen, die manchmal kommen, auch wenn ich mich gar nicht nach Weinen fühle und das Ganze dann etwas ex corpore betrachte. Irgendetwas schlägt und tickt da langsam, sehr unregelmäßig und nicht besonders zuverlässig, manchmal viel zu laut und häufig kaum wahrnehmbar. Allerdings, es gibt Aspekte, die ich an der mittlerweile aussetzenden Lethargie vermisse, oder es mir zumindest einbilde. Das wäre die Ruhe, dachte ich. Gleichgültigkeit ist ein ruhiger Zustand, aber ein Mensch ist nie ein Zustand – er ist eine Verfassung, bestehend aus unendlich vielen Komponenten mit Zähnen dran. Und wäre es Lethargie allein, das wäre ein Equilibrium, ein stiller See, ein Tümpel vielleicht, so mit Molchen drin. Aber meist war das nicht so. Nichts daran war ruhig, alles eher weltschlecht und langweilig. Das ist nun weiter weg, viel weiter, und irgendetwas ist an mir konkret und gegenwärtiger geworden als damals noch. Und ich glaube, dieser Teil ist es, der sagen möchte: Schau mal, da. Das habe ich gemacht. Denn ich bin ein Mensch, mit zwei Armen und Händen dran, die einen Stift halten und damit etwas produzieren können. Ich kann Dinge erschaffen, die aus meinem Inneren kommen und für dich sichtbar werden. Das kleistert ein wenig Substanz an die Wurzeln.

Und jetzt ist es spät geworden und der Beitrag kurz, was ganz egal ist.

bar stool medley

drunkenmermaid

[Today = Day of tangible Trivia! Be ready to not be entertained.]

Talking about deadlines. A lot lately. Die Welt scheint sich da an ein, zwei Dinge erinnert zu haben und hat die Kreide fester in die Pfote gepresst. So furchtbar hässliche Striche sind das und darunter kauere ich und sehe bisschen ehrfürchtig, bisschen sehr ängstlich, aber besonders angepisst hoch. Immerhin habe ich den Rest der Woche frei bekommen, um mehr an den anderen Dingen arbeiten zu können (yay me) und ich hoffe schwer, dass diese Umstände keine Dauergäste sind. Oder sagen wir es anders: Ich hoffe, dass diese Dauergäste sich endlich mal bequemen und den Wink mit dem Baseballschläger verstehen, nämlich, dass sie herzlich unwillkommen sind. Ich möchte weg. Checke Spontanflüge nach Bhutan. Könnte ein Hinweis auf Ruhebedürftigkeit sein. Hrm.

Aber insgesamt ist das eigentlich dummes Gejammere; das Arbeiten an den papers geht mir endlich wieder besser von der Hand; eher gesagt, ich schreibe überhaupt endlich wieder etwas. Die Schockstarre vor lauter Stress und what-not scheint sich aufzulösen und einem stoischen Dauerzustand zu weichen, der leise seufzend ein okay murmelt und sich sonst stillschweigend an die Arbeit macht.
Ich habe sogar wieder etwas geschrieben. Nicht nur die ersten Kapitel der fast schon belustigenden Seminararbeit über den Kontext von Kant und I am Legend (ja, genau, der mit Will Smith), sondern auch ein bar stool medley, prosetry stuff zur neuen Ausgabe des Magazins. Ob es überhaupt genommen wird, ebenso wie die ganzen Illustrationen, ist noch undiskutiert. Ich finde es seltsam zu sagen, aber … hrm – ich mag die Sachen ganz gern. Ich finde die Dinge, die ich tue, derzeit recht okay. Die betrunkene Meerjungfrau für Yesenin, die hier oben thront, die Frau mit den Blumen für Balmont. Der Löwe ist.. na ja (und hätte ich heute nicht von der einen weiteren Deadline erfahren, ich würde ihn neu zeichnen. Welp). Aber die Sachen sind okay. Ich kann sie tags darauf noch ansehen und selbst das Medley ist irgendwie.. gut? Das vielleicht nicht, aber es sind Fetzen von mir; so kleine Brotkrümel, oder auch Papierflieger, die später hoffentlich in der Stadt verteilt werden. Es ist seltsam, was so ein Name auf Papier oder auf Stein mit einem tut.

Der Chemiker weigert sich, die Filme anzusehen, die ich für die Seminararbeit brauche, so bescheuert sind sie. Kann ihn verstehen. Kant und Burke in postapokalyptischen Hollywood-Blockbusterschinken, yeah right, dude. Und das obendrein mit einigen Stopps, damit ich mir die nötigen Notizen zu Kameraführung und co machen kann. Wie gerne hätte ich Mitleidende, mit denen ich diesen Mist durchdiskutieren und notfalls ein nicht ganz so armseliges Bier darüber trinken kann, während man sich darüber austauscht, ob der Punkt da unten als Mensch gilt und die Relation zum Erhabenen vergrößert, aber fürs Heranschleppen potenzieller Opfer ist ohnehin kaum Zeit. Das wird ein besinnlicher Mittag mit Solo-Bierchen und viel, viel Geduld. Ja, Mittag. Ja, Bier. Buhu. Irgendwann wird es doch Abend und vielleicht gesellt sich der Chemiker ob des ohnehin besetzten Fernsehers ja dazu~.

Heute ist der letzte Tag des theoretischen Intensivkurses und ich kann mich moi immer noch nicht in einem Schlachtschiff mit Motor vorstellen. Das wird ein Spaß. Lissá ist dabei das rettende Seil zwischen all den Kiddohs, die ich am liebsten allesamt an die Wand klatschen würde; weil sie den Unterricht stören; weil sie dumm sind; weil sie eben 17 sind; war ich damals auch so? Mein Gott.
Nach der letzten Stunde, wo es ohnehin bereits tiefer Abend ist, verschleppen wir uns gegenseitig ins berüchtigte Anzengruber, das mit dem legendären Gulasch, auf ein paar Drinks. Sie tut gut, selbst wenn ich gerade müde, unkommunikativ oder angestrengt von der Welt bin, und das erstaunt mich immer so ein bisschen. She’s a keeper unter den Freunden und Bekannten.

We survived the Easter Bunny; again this year. I almost forgot that I was about to enter ramshackle terrain; and, eventually, stayed a bit longer than expected. I am rather sick of this whole people-being-pissed-at-me- and people-judging-me-thing and I’m glad that this issue can be ignored at bigger events now. Yet and still, one thing always hurts a bit: I like people. I miss people. And I don’t see how I should talk to them, since communication failed those last times. And it failed big; fiasko-like. I am more or less okay with it now. I just think that it’s like, me and those people, we are living in one big neighbourhood, and have these self made plastic cup phones made of yogurt corpses, and after all these years, they don’t seem to work anymore. And no one is leaving their houses, for one reason or another.